Kompetenzorientierte Aufgabensets

Lehrplan 21: Medien & Informatik

In der Schweiz wird ab 2017 ein neuer Lehrplan für die Volksschule eingeführt. Dieser wird Lehrplan 21 genannt. Das Ziel ist die Harmonisierung der Bildungsstufen in den deutsch- und mehrsprachigen Kantonen. Da in der Schweiz die Bildungshoheit bei den Kantonen liegt, wird der Lehrplan jeweils an die kantonalen und lokalen Gegebenheiten angepasst.

Eine der wichtigsten Änderungen ist, dass die zu erreichenden Bildungsstandards neu anhand von Kompetenzen beschreiben werden.

Einen guten Überblick zur Einführung und den kantonalen Voraussetzungen bietet der folgende Kurzfilm:

Lehrplan 21: einfach erklärt (SRF mySchool, 17.11.2014)

Der Lehrplan 21 gilt für alle 11 Schuljahre: zwei Jahre Kindergarten, sechs Jahre Primarschule sowie drei Jahre Sekundarstufe I.

Neu wird die obligatorische Schulzeit in 3 Zyklen gegliedert:

  • 1. Zyklus: Kindergarten und 1. und 2. Schuljahr der Primarschule
  • 2. Zyklus: 3. bis 6. Schuljahr der Primarschule
  • 3. Zyklus: 1. bis 3. Schuljahr der Sekundarstufe I

Zusätzlich zur Einführung der Kompetenzorientierung sind auch neue fachliche Inhalte im Lehrplan 21 verankert. Dazu gehört zum Beispiel die verbindliche Bearbeitung des Modullehrplans Medien und Informatik.

Modullehrplan Medien und Informatik

Der Modullehrplan Medien und Informatik gilt für die gesamte Volksschulzeit. Er ist in die Kompetenzbereiche Medien und Informatik sowie in die Anwendungskompetenzen gegliedert.

Grafik: Beat Döbeli, CC BY 4.0

Anwendung:
Schülerinnen und Schüler nutzen Informations- und Kommunikationstechnologien in allen Bereichen des Lebens effektiv und effizient.
Medien:
Schülerinnen und Schüler produzieren digitale Inhalte und reflektieren die Nutzung, Bedeutung und Wirkung von (digitalen) Medien kritisch.
Informatik:
Schülerinnen und Schüler verstehen Grundkonzepte der automatisierten Informationsverarbeitung, nutzen sie zur Entwicklung von Lösungsstrategien in allen Lebensbereichen und zum Verständnis der Informationsgesellschaft.

Zu den vier Kompetenzen im Bereich Medien und den drei Kompetenzen im Bereich Informatik gibt es jeweils einen Kompetenzaufbau über die drei Zyklen.
(In den folgenden Abbildungen werden die Kompetenzbereiche Medien und Informatik beschreiben).

Der Erwerb der Anwendungskompetenzen (Handhabung, Recherche und Lernunterstützung, Produktion und Präsentation) ist grösstenteils in die Kompetenzaufbauten der Fachbereiche (z.B. Mathematik, Deutsch, Gestalten etc.) integriert beschrieben. Die Verantwortung, diese Anwendungskompetenz zu vermitteln, liegt bei der Lehrperson, welche den entsprechenden Fachbereich unterrichtet.

Für das Unterrichten der Medien und Informatikkompetenzen sollen eigene Zeitgefässe geschaffen werden. Diese Umsetzung ist kantonal geregelt und wird in den jeweiligen Stundentafeln definiert. So wird z.B. im Kanton Zürich oder im Kanton Thurgau in der 5. und 6. Klasse sowie in der 7. und 9. Klasse jeweils eine Wochenstunde für das Modul Medien und Informatik eingeplant.

Das Ziel
Nicht die einzelnen Kompetenzen, sondern Phänomene, welche in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schülern eine Rolle spielen, sollen im Mittelpunkt stehen. Dazu werden die Phänomene aus verschiedenen Perspektiven, das heisst auch in verschiedenen Fachbereichen, beleuchtet. Das Dagstuhl-Dreieck beschreibt eine mögliche Vorgehensweise und biete eine gute Orientierung für die Unterrichtsplanung.

Die Herausforderungen
Die fachgerechte Umsetzung des Modullehrplans ist für viele Lehrerinnen und Lehrer eine grosse Herausforderung. Vorallem der Anspruch, die Anwendungskompetenzen in den einzelnen Fachbereichen integrativ zu bearbeiten, setzt eine gute Absprache in den einzelnen Teams voraus. Zudem gibt es zurzeit wenig geeignete Lehrmittel, welche die Lehrpersonen bei der Planung und Durchführung des Unterrichts unterstützen können.

Neben den eigenen Anwendungskompetenzen benötigen die Lehrerinnen und Lehrer für das Unterrichten der einzelnen Kompetenzstufen in Medien und Informatik fundiertes Fach- und Fachdidaktisches Wissen. Dieses muss anhand zeitintensiver Weiterbildungen erarbeitet und vertieft werden. Für diese grosse Weiterbildungsoffensive haben sich (fast) alle Kantone zu einer Kooperation zusammengeschlossen und gemeinsam Unterlagen für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen erarbeitet (MIA21.ch).

Die Situation in Österreich und Deutschland

Ähnliche Vorgaben wie in der Schweiz gelten auch in Österreich. Das Bundesamt für Bildung hat 2014 die informatische Bildung mit dem Begriff  «Digitale Kompetenzen» zusammengefasst. Auf der Webseite www.digikomp.at gibt es nähere Informationen dazu.

In Deutschland ist die Kultusministerkonferenz des jeweiligen Landes für die Lehr- oder Bildungspläne zuständig. Damit für alle Auszubildenden eine gleichwertige Ausbildung in «Digitalen Kompetenzen» gewährleistet werden kann, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft gestartet. Im Zusammenhang mit dieser werden neue Lehr- und Bildungspläne ausgearbeitet.